Afrika: Sehen, Lieben, Mithelfen

Mit einem kitschigen Plakat im Reisebüro fing 1982 alles an. Damals flog das Ehepaar zum ersten Mal nach Schwarzafrika. Es sollte nicht die letzte Reise auf den Kontinent sein. Längst sind sie nicht mehr nur Urlauber, sondern Freunde und Helfer.


Reiselustig waren Regina und Karl-Arno Driesen schon immer. „Meine Frau packt genauso gerne Koffer wie ich”, schätzt sich der 72-Jährige glücklich. Ob Wandern in Nepal oder in Tunesien Beduinen besuchen - die Neugier trieb das Ehepaar immer wieder in fremde Länder. „Einen Urlaub in Schwarzafrika hielten wir aber immer für zu kostspielig. Als wir dieses Plakat im Schaufenster sahen, wollten wir es wissen. Also rein ins Reisebüro - und heraus kamen wir mit der gebuchten Reise in den Senegal.”

Das war 1982. Seitdem waren die Beiden schon über vierzigmal in dem westafrikanischen Staat. „In der ganzen Zeit waren wir nicht einmal krank”, betont der reiselustige Rentner. „Seit der Rente sind wir meistens drei Monate im Jahr in Afrika.”

 

„Wenn man sieht, wie die Leute in der
Savanne leben, wird  man genügsam.”


Inzwischen sind sie nicht mehr nur zum Vergnügen in dem Land zwischen der Sahelzone und den Tropen. „Wir haben schon bei unserer ersten Reise den Kontakt zu den Einheimischen gesucht. Durch das  Faible meiner Frau für Pflanzen lernten wir einen Gärtner kennen, der uns in sein Dorf Windouthioulaye mitnahm.” Es entwickelte sich eine Freundschaft und im Laufe der folgenden Reisen in den Senegal lernte das Ehepaar ein Kinderkrankenhaus kennen, das von Freiwilligen der Bundeswehr gebaut wurde. Was sie dort sahen und erlebten, berührte sie zutiefst. „Von da an flogen wir immer mit zwei Koffern pro Nase - einer für das Kinderkrankenhaus und einer für uns.” Das Ehepaar unterstützte in der Folgezeit den Bau der Kinder- und Frauenklinik ,Bilbassi’ mit insgesamt 100 Betten in Mbour. Nach nur fünf Jahren Bauzeit war die Klinik dank eines großzügigen Spenders fertiggestellt. Karl-Arno Driesen dokumentierte den Bau der Klinik fotografisch in seinen Urlauben und lernte dabei ein Apothekerehepaar aus Asslar kennen. „Wir zeigten den Beiden Warang, das Dorf, in dem wir immer wohnten und Windouthioulaye. Das Leben der Kinder dort war so ganz anders als bei uns.” Geprägt von Arbeit und Mithilfe auf dem Feld, kannten die Jungen und Mädchen keine Schule. „Das muss sich ändern”, beschlossen die Ehepaare Driesen und Langer. Die Idee zum Schulbau war geboren. Was dann folgte, war ein Behördenmarathon. „Das Schulamt erteilte uns die Zusage zum Bau unter der Bedingung, dass alle Dorfchefs damit einverstanden seien. Ebenso mussten sich alle Mütter dazu verpflichten, ihre Kinder zur Schule zu schicken.” Ein geeignetes Grundstück für den Bau der Schule gab es auch sehr schnell: Dorfchef Latir war von der Idee so begeistert, dass er 1.000 m2 kostenlos zur Verfügung stellte. Weitere 1.000 m2  kamen bei der Vermessung überraschend hinzu: Der Grundstücksnachbar verschenkte sein Land per Handschlag, als er hörte, dass hier eine Schule entsteht. Nach sechs Monaten kam die ersehnte Genehmigung. Was jetzt fehlte, war genügend Geld, um der Idee auch Taten folgen zu lassen.

 

Karl Arno Driesens Traum: „Einmal den
Pinguinen die Flossen schütteln.”


Zurück in Deutschland, erhielt das Ehepaar Driesen eine Nachricht, die sie zum Schmunzeln brachte: Das Schulamt hatte bereits einen Lehrer in die Savanne geschickt. Dort wartete er nun ohne Klassenzimmer auf seine ersten Schüler. Die Dorfbewohner bauten einen provisorischen Klassenraum aus Hirsestängeln. Da dieser aber kaum die bevorstehende Regenzeit überdauern würde, musste schnell eine Lösung gefunden werden. „Das war jetzt eine Aufgabe, die wir nicht mehr alleine stemmen konnten”, blickt der Mülheimer zurück. Unter der Federführung des Ehepaars Langer wurde eine Vereinsgründung vorangetrieben: ,Karanjorro’, auf Deutsch ,Schule’, war geboren.

 

Karl-Arno und Regina Driesen waren bereits über vierzigmal im Senegal. Von den Dorfbewohnern wird der 72-Jährige liebevoll ,Mamadou’ genannt.


In diesem Jahr wurde dann der erste Klassenraum aus Stein fertiggestellt. Kostenpunkt mit Inventar: 14.000 Euro. Der zweite Klassenraum ist auch schon im Bau. Das Schulamt kontrolliert den Fortschritt der Bauarbeiten und erhält die erforderlichen Gelder pro Bauabschnitt. Die Mauern stehen bereits. Bis zum Beginn der Regenzeit Ende Juli soll das Dach noch fertiggestellt werden. „Dafür brauchen wir noch Gelder“, so Driesen. Ebenso muss eine Toilette mit Sickergrube gebaut werden. „Hier fehlen uns auch noch die erforderlichen 8.000 Euro.“
Insgesamt sollen sechs Klassenräume entstehen, damit alle Kinder des Dorfes unterrichtet werden können. „Es wäre schön, wenn wir einen Schulgarten anlegen könnten, aber das ist noch Zukunftsmusik“, so Driesen. Genauso, wie eine solarbetriebene Pumpe für den neuen, 70 Meter tiefen Brunnen. Der garantiert zwar frisches Wasser, muss aber mühselig mit einer Handpumpe bedient werden.
„Es ist toll zu sehen, wie sehr sich die Dorfbewohner über die Schule freuen.“ Zum Dank gaben diese ein großes Fest für die deutschen Helfer. Und auch die Kinder sind froh über die Möglichkeit, zur Schule gehen zu können: Sie tragen mit Stolz ihre neuen Schul-T-Shirts. Coly Ndong, der Lehrer aus der Savanne ist immer noch da. Er ist „ein wahres Goldstück”, so Driesen. „Wir sind froh, dass die Kinder von einem so engagierten Mann unterrichtet werden.”

 

Wer die Arbeit von ,Karanjorro e.V. - Eine Schule für die Savanne’  unterstützen oder sich über den Fortschritt des Schulbaus informieren möchte, kann sich unter Telefon 0208 / 48 34 02 an Karl-Arno Driesen wenden. Er hält auch Vorträge zum Thema Afrika in Kindergärten und Grundschulen.

 

(Veröffentlicht in Location, Ausgabe Mülheim Nr. 193, 12. April 2013)