Prof. Dr. Helmut Bönnemann „Bis an die Sterne weit“ bei MHUT e.V. am 09.03.2010

"Bis an die Sterne weit" - so lautete der Titel des Vortragsabends, bei dem Prof. Dr. Helmut Bönnemann den Bogen von der Welt im Kleinsten bis zum "Ende der Zeit" spannte. Wer befürchtete, eine allzu theoretische Abhandlung zu hören, wurde eines Besseren belehrt. Die Ausführungen über den Einsatz der Nanotechnologie in der Medizin - speziell in der Krebstherapie - eröffneten hochinteressante neue Einblicke.

 

So entwickelt Magforce derzeit eine Nano-Krebs®-Therapie zur lokalen Behandlung von Tumoren und hat in Wirksamkeitsstudien bereits beachtliche Erfolge erzielt und die Zulassung beantragt.
Magnetische Nanopartikel werden hierbei direkt in das Tumorgewebe injiziert. Durch ein magnetisches Wechselfeld werden die Nanopartikel in Schwingung versetzt und erzeugen dadurch Wärme. Hierdurch werden die Tumorzellen derart geschädigt, dass bereits sehr viel geringere Bestrahlungsintensitäten zum Absterben der bösartigen Zellen führen (bei einer Erwärmung auf 41 bis 45°C => Hyperthermie) oder aber die Tumorzellen sterben bei einer höheren Wärmeentwicklung (46°C bis 70°C =>Thermoablation) direkt ab.
Der Tumor wird hierbei also von innen heraus bekämpft und umgebendes gesundes Gewebe geschont.

 


Prof. Dr. Helmut Bönnemann ließ alsdann die zahlreich erschienenen Zuhörer den Blick gen Himmel richten, hin zur Sonne. Hier zeigt sich durch die Sonnenfeuer eine andere Form der Energie. Wasserstoff-Atome verschmelzen zu Helium und setzen hierbei Unmengen Energie frei. Während auf der Erde lediglich 7% des Öls chemische Produkte umgewandelt wird, werden die restlichen 93% zur Energiegewinnung genutzt. Die Fusionstechnologie, die sich die kontrollierte Kernfusion zu Nutze zu machen sucht, könnte sich als nahezu unerschöpfliche Energiequelle erweisen. Es laufen hierzu Forschungen, das entstehenden Fusionsfeuer über Stunden lodern zu lassen. Die ersten Schritte in dieser Richtung sind bereits sehr vielversprechend, so dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis die Fusionstechnologie als Energielieferant für den immer größer werdenden Energiehunger der Weltbevölkerung dienen wird.

Ein weiteres Phänomen am Himmel stellen die Schwarzen Löcher dar. Durch die in den Schwarzen Löchern vorherr- schende extrem hohe Schwerk- raft saugen sie alle Materie in sich hinein, selbst Licht- photonen, so dass sie vollkommen dunkel sind. Diese extreme Schwerkraft entsteht durch das Aufeinandertreffen von Materieteilchen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit. Forschungen haben ergeben, dass das uns bekannte Universum aus mehr als 90 % aus strahlungsloser dunkler Materie besteht. Galaxien wie die unsrige mit "heissen Sternen" bilden die Ausnahme.

 

Zu Lebzeiten des Ptolemäus (160 v.Chr.) war das Weltbild jedoch ein gänzlich anderes. Man sah sich selbst als Mittelpunkt und schuf sich so sein geozentrisches Weltbild. Über Kopernikus, dessen heliozentrisches Weltbild mit der Sonne als Mittelpunkt 1543 erst posthum veröffentlicht wurde und Galilei (1636) bis zu Isaac Newton, der die Welt 1702 als dreidimensionalen Raum mit gleichmäßig fließender Zeit sah, änderten sich die Weltanschauungen im Einklang mit wichtigen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften der jeweiligen Zeit.


Heute arbeiten James B. Hartle, Stephan Hawking und Thomas Hertog an der Grundfrage, wie der Kosmos aus dem Chaos entstand. Der Urknall, der "Big Bang", konnte durch Überreste des Schalles auf einer vorausberechneten Frequenz nachgewiesen werden. Entgegen der Auffassung, der Urknall sei aus einem Punkt entstanden, gab Hawking seine Theorie der Singularität auf und korrigierte sein Urknall-Modell dahingehend, dass er die punktuelle Singularität durch ein unscharfes Bouncing ersetzt. Hierdurch erfolgt die Einführung einer imaginären Zeit. Das kosmologische Weltbild nach Stephan Hawking sieht also keinen Anfang und kein Ende - am Ende der Zeiten erfolgt ein Bouncing und dann ein erneuter Urknall. Wann dies in den nächsten 15 bis 25 Milliarden Jahren der Fall sein wird, entscheidet der pure Zufall.


Am Ende des Abends waren die Zuhörer nicht nur beeindruckt vom abwechslungsreichen Vortrag sondern konnten auch einige neu gewonnene Erkenntnisse und die Gewissheit, dass wissen- schaftliche Vorträge gar nicht trocken sein müssen, mit nach Hause nehmen.