Frischer Wind in alten Mauern

Das kleine Haus in der Altstadt duckt sich in den Schatten der Petrikirche.
Viele Passanten kennen das schmucke Gebäude zwar von außen, aber in sein Inneres haben sie bislang nicht geblickt.
Dabei birgt es lupenreine Mülheimer Geschichte.


„Gerhard Tersteegen hat hier aus einem Fenster heraus sogar seine Sonntagspredigt gehalten“, weiß Heinz Hohensee vom ,Freundes- und Förderkreis Heimatmuseum Tersteegenhaus Mülheim an der Ruhr e.V.'. Dem Prediger und Schriftsteller Tersteegen, der von 1746 bis zu seinem Tod im Jahre 1769 in dem Haus am Kirchenhügel lebte und sich für arme Mitmenschen einsetzte, hat das Gebäude seinen Namen zu verdanken.
Um das geschichtsträchtige Haus, das im Rahmen der Haushaltskonsolidierung von der Schließung bedroht war, erhalten zu können, wurde im Mai 2011 der Förderverein gegründet. „In dem Netzwerk aus Geschichtsverein und Bürgergesellschaft Mausefalle schließt diese Vereinsgründung eine Lücke“, ist sich der Vereinsvorsitzende Markus Püll sicher. Auch Dr. Kai Rawe, Leiter des Stadtarchivs, betont die Wichtigkeit der finanziellen und ideellen Unterstützung: „Wir sind auf einem guten Weg, das kleine aber feine Museum aufzuwerten.“

Eine solche Aufwertung ist die neue Informationssäule, die jetzt ihrer Bestimmung übergeben wurde. Auf der Gerhard-Tersteegen-Info-Stele können alle wichtigen Daten rund um den Wahl-Mülheimer nachgelesen werden. Ergänzend hierzu gibt es auch Infoblätter zum Mitnehmen. Im Laufe des Jahres sollen noch weitere Stelen angeschafft werden, um die Räume angemessen präsentieren zu können: Der Dichter Carl Arnold Kortum sowie Stinnes als Sinnbild der Mülheimer Wirtschaft werden auf weiteren Stelen verewigt.
Der Freundes- und Förderkreis sieht sich auch in diesem Jahr auf einem guten Weg: „Wir konnten im letzten Jahr einen neuen Besucherrekord vermelden. Fast 1500 Gäste fanden den Weg ins Heimatmuseum.“ Damit der Besucherzuspruch weiterhin gestärkt werden kann, sind in den kommenden Monaten einige Aktionen geplant. So soll ein Nachbarschaftsfest organisiert werden. Ebenso ist die Teilnahme am ökumenischen Kirchenfest der Gemeinden St. Mariae Geburt und Petrikirche im Sommer vorgesehen. „Wir wollen auch den Garten des Hauses für Besucher öffnen und Sitzmöbel anschaffen“, so Markus Püll. Am Tag des offenen Denkmals (8. September) wird das Tersteegenhaus seine Türen ebenfalls öffnen. „Am Adventsmarkt nehmen wir wie in den Vorjahren teil und bieten wieder Sonderöffnungszeiten an.“ Angedacht ist auch, den Tersteegen-Gedenkstein hinter der Petrikirche zu reinigen und während der Kirchenöffnungszeiten zugänglich zu machen. Damit noch mehr Besucher den Weg ins Heimatmuseum finden, sollen Hinweisschilder aufgestellt werden. Für zwei dieser Info-Stelen hat die MST bereits ihre Zusage gegeben: Sie sollen an der Friedenstreppe an der Bachstraße sowie am Siegfried-Reda-Platz ihren Platz finden. Der geplante öffentliche Bücherschrank zum kostenlosen Austausch von Lesestoff soll ebenfalls am Siegfried-Reda-Platz aufgestellt werden. „Mister Tersteegen“ Heinz Hohensee wird die Betreuung als Bücherpate übernehmen. Mittelfristig stehen aber auch noch größere Projekte auf der Agenda: Die Toilettenanlage soll saniert werden und eine neue Lichtanlage ist angedacht, um die Ausstellungsobjekte besser ins rechte Licht setzen zu können.
All diese Projekte können aber nur gestemmt werden, wenn ausreichend finanzielle Mittel zusammengetragen werden können: „Wir sind außer auf die Beiträge unserer Mitglieder auch auf Spenden angewiesen“, so Hansgeorg Schiemer. Da der Verein als gemeinnützig anerkannt ist und somit Spendenquittungen ausstellen kann, fällt das Spenden doch gleich viel leichter, oder?
Infos zum Tersteegenhaus und den Öffnungszeiten gibt’s unter Telefon 0208 - 437 63 32 oder 0208 - 38 04 30.

[erschienen im LOCATION Magazin Mülheim, Ausgabe März 2013]