Zoff um die Bühne

Es brodelt nicht nur hinter den Kulissen. Wo ein kooperatives Miteinander der beiden auf der Freilichtbühne aktiven Vereine anstrebenswert und sinnvoll wäre, geht es jetzt um Machtspielchen.

„Die Zeit der Sondierung ist vorbei. Wir sind nicht mehr gesprächsbereit.“ Hans-Uwe Koch, Vorsitzender des Regler Produktion e.V. macht seinen Anspruch deutlich: Er will die Freilichtbühne in Zukunft nur mit seinem Verein bespielen, „und zwar als alleiniger Vertragspartner der Stadt.“ Harsche Worte für einen Vereinsvorsitzenden, dessen Versuche, die große Bühne an der Dimbeck zu bespielen, nicht gerade von Erfolg gekrönt waren.

So fiel das kostspielige ,Extrabreit'-Konzert2004 gehörig ins Wasser, man stand vor dem finanziellen Kollaps. Reichlich Lehrgeld für eine Gruppe, die sich ursprünglich um Technik und Gastronomie der Freilichtbühne kümmerte. Nachdem man sich dank der gut laufenden Bewirtung von den finanziellen Einbußen erholt hatte, nahm der Wunsch, ein eigenes Programm zu gestalten erneut Formen an.

Dirk Biesgen: „Die große Bühne verdient es einfach, adäquat bespielt zu werden.“

Aus der mit der ,Twistzentrale' inszenierten Reihe ,Sunset Folks' entwickelten die Regler schließlich die Mttwochsreihe auf der kleinen Bühne. Konzerte und Kleinkunst bei freiem Eintritt im Dunstkreis des Biergartens kommen regelmäßig gut an. Hierbei hat sich gerade die Außengastronomie zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Sie stellt auch die Haupteinnahmequelle der Regler Produktion dar. "Wir sind an den Umsatzerlösen beteiligt", so Hans-Uwe Koch. Wie viel dabei für seinen Verein herausspringt, will er aber nicht verraten.

Immerhin scheint es aber so viel Geld in die Vereinskasse zu spülen, dass man sich eine Bespielung der gesamten Freilichtbühne inklusive der angrenzenden Parkanlagen zutraut. Zumindest sieht es das vorgelegte Konzept der Regler so vor. Ein Konzept, in dem die ,Freunde der Freilichtbühne’ keinen Platz finden. Ist das ein Hinweis darauf, dass die Regler Produktion nicht nur die alleinige Vormachtstellung auf dem Gelände erlangen will, sondern auf langfristige Sicht keinen Platz mehr für die ,Freunde der Freilichtbühne’ sieht?

Lag der Charme ihrer bisherigen Events auf der kleinen Bühne, wird im vorgelegten Konzept krampfhaft versucht, Veranstaltungen wie etwa ,Anjas Singabend’ auf die große Bühne zu verfrachten. Widersprüchlich erscheinen dann allerdings die Absichten, die Aufmerksamkeit weg von der Bühne hin zum Park zu lenken: „Wir wollen den Park erlebbarer und weniger auf der großen Bühne machen“, gibt Hans-Uwe Koch die Richtung vor. Von Regler-Seite aus wird es zwar gerne geleugnet („Unsere Konzepte passen nicht zusammen.“), doch es ergeben sich durchaus Schnittmengen mit dem Verein ,Freunde der Freilichtbühne’: Als Beispiel sei nur das Familien- und Kinderfest genannt.

Der 2000 von Horst van Emmerich gegründete Verein holte die Freilichtbühne aus ihrem langjährigen Dornröschenschlaf. Der Anspruch: Die Bühne soll eine Spielstätte für Jung und Alt mit vielfältigen kulturellen Veranstaltungen werden. Genau dieses Ziel verfolgt auch das Konzept der ,Freunde der Freilichtbühne’. Da sich der Verein mit Quest Media einen professionellen Veranstalter für die Musicals an Bord holte, der das finanzielle Risiko der Veranstaltungen trägt, hat er auch keine Verluste zu fürchten. Im Gegenteil: 30 Prozent der Einnahmen fließen an den Verein. Geld, das dazu dient, die Freilichtbühne weiter mit Leben zu füllen. Dabei soll der Veranstaltungsmix vielfältiger werden - ohne jedoch mit Rücksicht auf die Anwohner die Zahl der Veranstaltungstage zu erhöhen. So plant der Vorstand um Dirk Biesgen noch in diesem Jahr eine Familien-Olympiade auf dem gesamten Parkgelände. Im nächsten Jahr soll es dann wieder in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut heißen ,Feuer und Flamme für die Chemie’. Ebenso sind ein Open-Air-Gottesdienst, American Barbecue sowie verschiedene Theateraufführungen angedacht. „Leider haben wir durch die Vorwürfe und Anschuldigungen der Vergangenheit, die sich alle als haltlos erwiesen haben, noch nicht die Chance bekommen, unsere Ideen in die Tat umzusetzen“, so Biesgen.
Während beispielsweise die Benefizveranstaltungen von Bernd Nierhaus zu Gunsten des Kinderhospizes ,Regenbogenland’ in den Planungen der ,Freunde der Freilichtbühne’ einen festen Platz haben, werden die ,Regler’ deutlich: „Benefizveranstaltungen wie das von ,Rolli Rocker’ Bernd Nierhaus inszenierte wollen wir hier nicht mehr. Der Stil passt nicht.“

Hans-Uwe Koch: „Ein Zusammenraufen um jeden Preis gibt es nicht.“


Stefan Bevermeier, zweiter Vorsitzender der Regler Produktion, geht sogar so weit, die Zusammenarbeit mit den Freunden der Freilichtbühne als „schwierig“ zu bezeichnen. Dabei liegen die Probleme wohl eher darin, dass die Regler die Vereinbarung, die die Kostenverteilung und Abgaben der Vereine untereinander festlegt, am liebsten gekippt sähen: „Das ist nicht fair, dass wir an die anderen bezahlen sollen“, moniert Stefan Bevermeier.
Egon Schweers, Gründungsmitglied der Freunde der Freilichtbühne und derzeitiger Beirat ist gleichzeitig Mitglied bei der Regler Produktion. Ihm ist es wichtig, dass beide Vereine an der Freilichtbühne bestehen - aber ohne die bisherigen Verflechtungen und Abhängigkeiten. Verflechtungen, die durch die langjährige parallele Vorstandsarbeit von Hans-Uwe Koch in beiden Vereinen ihren Höhepunt erreichte.

 

Kommentar

Am 18. Juli stehen die Vorsitzenden beider Vereine wieder gemeinsam vor den Vertretern der Fraktionen. Diesen fällt die Aufgabe zu, darüber zu entscheiden, wer künftiger Vertragspartner der Stadt ist.  Im Sinne einer vielfältigen Kunst- und Kulturlandschaft sollte der bisherige Mix aus Angeboten für alle Alters- und Einkommensgruppen erhalten bleiben. Die Freunde der Freilichtbühne haben bewiesen, dass sie nicht nur ein zuverlässiger Vertragspartner für die Stadt mit einem ausgewogenen Konzept, sondern auch in der Lage sind, ein kooperatives Miteinander mit den Reglern zu pflegen. So sollte es auch in Zukunft bleiben - dem Kleinod Freilichtbühne zuliebe. Das Verhalten der Regler sollte auch in der Entscheidung der Politik, welchem Verein sie das Vertrauen schenkt, berücksichtigt werden.

(Erschienen im LOCATION Magzin Mülheim 07/2013)